Scheibe der Woche: VNV Nation – Automatic
20. September 2011, 16:24
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Da sind die Briten wieder: und wie! Man könnte gehässig sein und sagen: “Wieder alles beim alten”. Sind wir aber nicht und sagen: zum Glück! Die Hymnenschreiber rund um Ronan Harris von VNV Nation haben nun endlich ihren langerwarteten neuen Longplayer “Automatic” veröffentlicht. Wie gewohnt geht das Werk in epischer Futurepop-Breite aber so etwas von ins Ohr und Tanzbein, dass es einem schon fast unheimlich wird.

Die CD startet mit “On-Air” zwar noch verhältnismäßig gemäßigt, und von clubbigen Tanzhymnen daher noch keine Spur. Doch das ändert sich schlagartig, sobald die ersten hochmelodiösen Tonkompositionen von “Space & Time” erklingen. Was Angels & Airwaves mit seinen sphärischen Klangfassaden für das Rockgenre ist, ist VNV Nation für die schwarze Elektronik-Fraktion. Irgendwie. Sauber, druckvoll und äußerst wortreich kommt der zweite Song des Albums daher. Sicher wird der (und die weiteren des Albums) in den Clubs dieser Welt bald rauf und runter laufen. Genauso, wie das folgende “Resolution”. Wegen solcher Stücke hat man die Futurepopper ins Herz geschlossen. Die erste Single “Control” erinnert (weil sie akustisch ruppiger ist, und nicht einen auf “Friede, Freude, Eierkuchen” macht) an “Chrome”. Kombiniere, kombiniere! Ich erkenne da mit dem Anfangsbuchstaben C noch weitergehende Ähnlichkeiten. Gänzlich tänzlich bleibt die Scheibe auf einem hohen Niveau.

Es ist Halbzeit und mit “Goodbye 20th Century” kehrt etwas Ruhe ein. Das orchestral anmutende Instrumentalstück lädt zu einer entspannenden Reise mit dem Kopfkino ein. Führt uns auf eine phantasievolle Reise. “Nova”, welches in Vergangenheit bereits mehrfach live “angetestet” wurde, schließt dramaturgisch perfekt an den ruhigen Vorgänger an.

Genug gekuschelt. Mit “Streamline” und “Gratitute” gewinnen die schwungvollen Melodeien wieder an Fahrt. Man merkt bereits jetzt, dass “Automatic” ist ein richtig rundes Ding geworden ist. Es macht riesigen Spaß, den Silberling nicht nur einmal durchlaufen zu lassen. Das Teil muss man sich nicht schön hören, es gefällt einem auf Anhieb – oder eben nicht. Aber für solche sind solche Soundkompositionen eh nix. “Photon” indes rockt instumental und nicht minder schön. Den würdigen Abschluss beschreibt das wundervolle “Radio”, mit dem Harris ein weiteres Mal seine textlichen Fähigkeiten unter Beweis stellt.

Tja, das war’s schon. Abschließend bleibt zu erwähnen, dass VNV Nation seine Hausaufgaben gemacht, und uns ein tolles Machwerk vor die Füße gelegt hat, mit dem man sich in seinen persönlichen Rausch tanzen kann. Aber leider, doch so ist es bei den Briten/Iren ja üblich, findet die atmosphärische Reise immer wieder viel zu schnell ein Ende. Jungs, baut mal ein Doppelalbum. Na, wie wär’s? Zum Glück aber, dass beim Futurepop die Zukunft schon jetzt beginnt! Sonst müssten wir auf solch eine Musik ganz schön lange warten…

Würmer für das Ohr und Zuckungen für das Bein: Space & Time, Resolution, Gratitude

Tracklist:
1. – On-Air
2. – Space & Time
3. – Resolution
4. – Control
5. – Goodbye 20th Century
6. – Nova
7. – Streamline
8. – Gratitute
9. – Photon
10. – Radio

Lauflänge: 7/10
Titelanzahl: 7/10
Ohrwurmfaktor: 8/10

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Musik-Stöckchen
29. Mai 2011, 19:21
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Geschlecht: männlich (immer noch)

Musikrichtung: Elektronik (Synthpop, Darkelectro, Industrial, Trip-Hop, Ambient, Downtempo) und Rock (Metal, New Metal, Alt. Rock, Postrock, Indie, Grunge (ja das hin und wieder auch!))
Bester Sänger: Gavin Hayes (Dredg), Trend Raznor (NIN – nicht wegen seiner Stimme, aber er ist ein wahnsinns Kreativling)
Beste Sängerin: Kate Bush (die Stimme liebt man oder nicht), Pati Yang
Beste Band: U2, Mesh
Coolste Band: Tool/A Perfect Circle, Nine Inch Nails (NIN)
Allerbester Song: With Or Without You – U2
Liebster Oldie: This Corrosion – The Sisters Of Mercy
Was ich momentan höre: Rotersand, VNV Nation, Cold In May
Derzeitiger Geheimtipp: Binary Park – “Worlds Collide”
Bestes Album: Ten (Pearl Jam), Blood Sugar Sex Magik (RHCP), The Joshua Tree (u2), The Fragile (NIN), We Don’t Need To Whisper (Angels And Airwaves)
Bester Videoclip: “Splitting The Atom” und “Atlas Air” von Massive Attack, sowie diverse von Tool
Beste Verpackung: 10.000 Days in der 3D-Ausführung (Tool)
Bestes Instrumentalstück: “Requiem for a Dream” – Clint Mansell
Bestes Corverart: Massive Attack – “Splitting The Atom” (würde ich mir als Kunstdruck auf Leinwand, oder so, an die Wand hängen)
Bester Sampler: die damalige Reihe der “Crossing All Over”, meine eigens fürs Auto zusammengestellten
Beste Live Performane: U2 (die wohl schlicht beste Live-Band der Welt – perfekte Show, statter Sound, auf den Punkt gebrachte Performance)
Schönste musikalische Überraschung: Dredg (als damals zum ersten mal den Song “Same Ol’ Road” hörte)
Herbste Enttäuschung: dass es Harold Faltermeyers Instrumentalstücke aus den Beverly Hills Cop-Filmen nicht auf CD zu bekommen gibt
Schlechtestes Album: Sounds Of The Universe – Depeche Mode (Sorry, aber das für DM aber richtig müde)
Übelste Live-Performance: Frontline Assembly (2010 in Oberhausen: zu laut, zu viel technische Schwierigkeiten bei den Vorbands -  das könnt ihr besser!)
Schlimmster Ohrwurm: Numa Numa
Wen oder was ich in der Musik vermisse: Mehr Klasse statt Masse
Worauf ich mich musikalisch als nächstes freue: Auf Rotersand auf dem Blackfield-Festival

Wer mag, darf dieses Stöckchen gerne für seinen Blog kidnappen…



Filme-Stöckchen
23. Mai 2011, 12:06
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Angespornt durch die Ergebnisse auf Wortman’s Blog, dachte ich mir, ich entführe dieses “Stöckchen” und fülle es mal mit meinen Vorlieben. Ich war auch direkt mal so unverschämt, und habe es um einige Punkte ergänzt. Und, puh, es war nicht einfach sich teils nur auf eine Nennung zu beschränken…

Geschlecht: männlich
Lieblingsfilm: Star Wars – Die Rückkehr der Jedi-Ritter
Lieblingsgenre: Action, SciFi, Endzeit (Hey, ich bin ein Kerl)
Lieblingsregisseur: Quentin Tarantino, Roland Emmerich (der Weltenzerstörer), David Fincher
Bester Actionfilm: Heat, Smokin’ Aces, Terminator, Stirb langsam 2, Tödliche Weihnachten, Pulp Fiction (da habe ich erwartungsgemäß ne Mehrfachnennung)
Beste Actionkomödie: Bad Boys II, Fight Club (Zu geil – Edward Norton: “Du hast mich in einer schwierigen Situation meines Lebens kennengelernt!”)
Bester Stilelementenmix: Kill Bill I
Beste Komödie: Die große Sause mit Louis de Funès und “Hilfe, es weihnachtet sehr” mit Chevy Chase
Beste Comicverfilmung: Sin City
Bester deutschsprachiger Film:
Das Boot
Bester nichtamerikanischer Film: Die purpurnen Flüsse, Pakt der Wölfe
Bester Film mit wahrem Hintergrund: Der längste Tag
Bester (Anti-)Kriegsfilm: Der Soldat James Ryan, Black Hawk Down
Beste Buchverfilmung: -/-
Beste Gameverfilmung: Final Fantasy – Die Mächte in dir (nach über 10 Jahren visuell noch immer ein Genuss)
Beste visuelle Ästethik: Matrix, A Scanner Darkly (ein Hoch auf das Rotoskopieverfahren), Sieben
Bester Geheimtipp: Lucky # Slevin, Memento
Beste Kulisse: Herr der Ringe, Star Wars Episode 3, Hero
Tränen in den Augen: (vor hanebüchenem Schwachsinn) Indy 4 (wie kann Shia Labeouf per Lianenschwingerei genauso schnell sein, wie Harrison Ford in Co. bei der rasenden Verfolgungsjagd entlang der Klippen
Lustigste Szene: die originale Lache von Tom Hanks in “Geschenkt ist noch zu teuer”, als die volle Badewanne durch den Fußboden zwei Etagen tiefer stürzt
Größter Schocker: 28 Days Later (weiß nicht, was mehr schock(ier)t: das geisterhafte London, oder die Überraschungsmomente der Zombies, seiner Zeit H.R. Gigers Alien und die Facehugger
Langweiligster Streifen: Traffic – Die Macht des Kartells (hier wäre ich wahrhaftig beinahe eingeschlafen)
Beste männliche Rolle: Johnny Depp als exzentrischer Cpt. Jack Sparrow, Tom Sizemore als Lt. Col. Danny McKnight in “Black Hawk Down”
Beste weibliche Rolle: Carrie-Anne Moss als Trinity, Selma Hayek als Santanico Pandemonium in “From Dust Till Dawn”
Beste visuelle Effekte: alle Roland-Emmerich-Filme (das hat er echt drauf)
Beste Story: Fight Club
Bestes virales Marketing: Cloverfield
Größte Enttäuschung: Driven (voller logischer, und für mich als Rennsportfan voller inhaltlicher Fehler)
Schlechteste Story:  Driven (nicht, dass andere Rennfilme über weniger Klischees verfügten, aber dieser Streifen ist echt großer Käse)
Schlechteste Filmreihe: Fast And Furious (die Welt braucht keinen weiteres Reiskocher-Tuning)

Beste Filmreihe:
Star Wars
Beste TV-Serie: 24 und Band of Brothers, Hör mal, wer da hämmert, Stromberg
Bester Bösewicht: Darth Vader
Beste Explosion: Die Yosemite-Park-Vulcan-Explosion in Emmerichs “2012″
Bester Spezialeffekt: die, die man nicht sieht (z. B. die Horde Zugvögel über Manhattan in “The World After Tomorrow”
Beste Verfolgung:
Bullit (die Mutter aller Verfolgungsjagden), Days of Thunder (beste Rennszenen), Bad Boys II (Die Verfolgung des Autotransporters)
Bestes Auto im Film: DeLorean aus “Zurück in die Zukunft”, Aston Martin DB 5 aus “James Bond”, Ford Taurus Streifenwagen “Robocop”
Beste Filmszene: 15-Minuten-Ballerei auf offener Straße in “Heat” samt authentischem Originalsound, oder Uma Thurman Schnitzelei im japanischen Teehaus in “Kill Bill I”
Beste Filmsore:
Days of Thunder, Gladitor (hmm, komisch – das sind direkt zwei Streifen, zu denen Hans Zimmer die Musik beisteuerte)
Bester Filmsoundtrack: Matrix
Am längsten erwartet: Cloverfield
Gewünschte Themaverfilmung: mal wieder ein großer Katastrophenstreifen (kein Endzeitkrams), oder eine gute, alte Actionkomödie im Stil der 80er Jahre

Die Idee am Stöckchen trägt mutmaßlich Patricia.



Wer sagt eigentlich immer, dass Coverversionen schlecht sind
18. Mai 2011, 15:59
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In diesem Falle trifft dies jedenfalls überhaupt nicht zu. Meine persönlichen, musikalischen Weggefährten (wenn auch nur aus automobilen Lautsprecherboxen) der Synthpop-Band Mesh aus dem britischen Bristol haben ihren Kumpel, Schauspieler und Teilzeitmusikanten Aaron Molho der US-Elektroband “Informatik” inspiriert vom ihrem Stück “How long?” eine Coverversion anzufertigen. Und was dabei herauskam ist herrlich genreuntypisch und so gänzlich anders. Aber hört höchst selbst…

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist: mehr Infos zu den Künstlern gibt’s dann hier:
Mesh (Offizielle Seite)
Informatik (Offizielle Seite)
Aaron Molho (Offizielle Seite)



Scheibe der Woche: Binary Park – Worlds Collide
20. März 2011, 15:46
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Binary, was? Ja, was ist das denn? Noch nicht gehört? Stimmt, denn Binary Park ist ein neu gegründetes Dark Electronic Musikprojekt und eine deutsch-britische Koproduktion zwischen dem Frontman Huw Jones, Alfred Gregl und Torben Schmidt, seines Zeichens Live-Keyboarder bei Suicide Commando.

Mit der Elektronik ist ja so eine Sache. Zahlreiche ambitionierte Projekte verhedderten sich in ihrer Leidenschaft und verschwanden schneller von der Bildfläche, als Milch benötigt, um sauer zu werden. Wie trällerte schon Endanger im Albumopener “Grüße nach Frankfurt”: “Mehr als tausend Namen. Ich hab die Hoffnungsträger fallen sehen…” Wie wahr, wie wahr. Binary Park macht das allerdings gehörig anders. Musikalischer Sachverstand in Symbiose mit weltmännischer Brachialität sorgen für deutlich gespitzte Ohren, und Zerrungen am Tanzbein.

Bereits die ersten Klänge des Erstlings deuten an, wohin die Reise geht: in eine neue Klangdimension. Technoide Soundfassaden gepaart mit fremdartig klingenden Melodiekulissen. Das Ganze ist gespickt mit teilweise sehr tanzbaren Beats, und erinnert ein wenig an eine Mischung aus Front Line Assembly, Faderhead und Suicide Commando, aber irgendwie noch eine Spur schräger, ohne dabei experimentell verfriemelt abzudriften.

Gregl und Schmidt holen alles aus den Schaltkreisen ihres Equipments raus. Neben den intelligent gesampelten Klangkaskaden macht auch Huws fesselnde Stimme selbst durch den Vocoder verzerrt noch eine Menge her. Und so bleibt weitaus mehr, als nur ein kurzweiliges, aber imerhin rund 70 Minütiges, Machwerk übrig, das es verdient hat, in den Clubs rauf und runter zu gespielt zu werden.

Hier ohrwurmt es ganz besonders: Welcome Home, Wiretripped, Running, Worlds Collide, My Angel

Tracklist:
1. – Main Reset
2. – Welcome Home
3. – Wiretripped
4. – Silence Is Speaking
5. – Cropper
6. – Fight Son
7. – Human Disease
8. – System Sucks
9. –Running
10. – Worlds Collide
11. – Voice Of A Gun
12 – My Angel
13. – Speed Of Blood
14. – Dark City

Lauflänge: 9/10
Titelanzahl: 8/10
Ohrwurmfaktor: 5/10

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Scheibe der Woche: Subheim – No Land Called Home
20. November 2010, 10:40
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Freunde der gepflegten Niedergeschlagenheit und des Trübsinns, die in der nebulösen Novembertristesse ihre Depressionen pflegen wollen, bekommen mit dem neuen Longplayer “No Land Called Home” von Subheim eine weitere exquisite Narbe auf ihre geschundene Seele.

Hach, wie ist es doch schön mit den Klischees zu spielen. Aber mal im Ernst, die zweite Platte des Komponisten und visuellen Künstlers, den alten Griechen, Kostas K. passt hervorragend ins Hier und Jetzt. Schuf er doch für die kalte Jahreszeit einen grandios dichten Klangteppich aus Elektronik und ging dabei eine gelungene Symbiose mit zahlreichen Streichern und Percussions, sowie einigen gekonnt in Szene gesetzte Gesangparts ein. “No Place Called Home” ist also höchst geeignet für diffuse Tage, um die Gedanken auf Reisen zu schicken.

Chapeau Herr K.! Während jeder andere Musiker ein Stück wie “Dusk” aufgrund seiner tieftraurigen Beschaffenheit zum Schlusstrack degradieren würde, wird er hier zu einem phantastischen emotionalen Opener. Die nächsten 58 schwermütigen Minuten rauben meiner Umwelt komplett die Farbe. Ich schließe die Augen, höre dem wohligen und weichen Klängen zu und lasse mich von ihnen umgeben. Das Kopfkino beginnt.

“No Land Called Home” braucht überhaupt kein Getöse um aufzufallen. Muss es auch nicht. Will es auch nicht. Der Longplayer ist nämlich vom Mainstream so weit entfernt, wie die USA von der Einführung des metrischen Systems. Aber lassen wir das. Vielmehr mischen sich hier ein Menge subtiler Klangwelten und dringen sphärisch dicht ans Trommelfell.

Während mich “Streets” ziellos durch die kalten, nächtlichen Großstadtstraßen wandeln lässt, wird “December” entschiedener, bestimmter. Es entfacht durch sein soundtrackeskes Arrangement ein wahres Big-Screen-Feeling. Ich bin mein eigener Regisseur und Hauptdarsteller sowiewso. “The Veil” bietet als bereits sechster Track die erste wirklich ernstzunehmende Gesangseinlage. Melancholisch schmachtet es dahin.

Das Album ist wahrlich vielschichtig. Das wird einem beim exotisch und fernöstlich wirkendem “Conspiracies” einmal mehr gewahr. “Dunes” schickt mich weiter auf die Reise. Diesmal durch die engen, staubigen und geheimnissvollen Gassen Marokkos. Exotische Instrumentierungen und urbane Soundkulissen schaffen einen hervorragenden Rahmen. “At The Edge Of The World” beschließt die meditative Reise durch meine Phantasie und entlässt mich wohlig entspannt aus seinem Bann.

So traurig war es gar nicht…

“No Land Called Home” ist ein wunderbar melodisches und sphärisch hochdichtes Downtempo-Album, das den Zuhörer mit auf eine experimentelle Kopfkinoreise nimmt, so er sich denn darauf einlässt. Das Album inspiriert, es regt an, es entschleunigt. Genau richtig, um gegen Ende des Jahres endlich wieder runterzukommen.

Ein wahres Fest und ein Pflichtkauf für die Liebhaber schmerzlicher Melancholie.

Für besonders intensive Träumereien: Dusk, Street, December, Dunes

Tracklist:
1. – Dusk
2. – Streets
3. – When Time Relieves
4. – December
5. – Between Fear And love
6. – The Veil
7. – Conspiracies
8. – The Cold Hearted Sea
9. – Dunes
10. – The Ravage Below
11. – At The Edge Of The World

Lauflänge: 5/10
Titelanzahl: 6/10
Ohrwurmfaktor: 4/10

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Front Line Assembly Live in Oberhausen

Nachdem Ende Juni das neue Album “Improvised Electronic Device” erschien und sich die vier Kanadier anschließend auf Welttournee durch die hiesige Clublandschaft machten, hielten sie auch am Abend der deutschen Einheit im Oberhausener “Saint” an, um ihre frischen Industrialhymnen dem geneigten Publikum zu präsentieren. Soviel ist sicher, sie sind beileibe keine Heiligen – erst recht nicht beim Lautstärkepegel.

Doch der Reihe nach. Der kleine und sehr übersichtliche Laden Vis-à-vis der “Turbinenhalle” gelegen bot mit seinem morbiden Charme für die düstere Gesellschaft den passenden, abendlichen Rahmen. Dieser jedoch war gespickt mit einigen technische Schwierigkeiten, die sich bis zum Ende hindurch zogen und selbst vor dem Hauptact nicht halt machten. All diese Problemchen nahmen ihren Anfang als dem ambitionierten polnischen Projekt Clicks der Hauptrechner abstürzte. Der Frontman nahm’s mit Humor, dass selbst ach so stabil laufende Apple-Rechner abstürzen können. Die Panne kostete dem Trio wertvolle musikalische Minuten. So blieb, als der Rechner endlich wieder lief, letztlich nur noch Zeit für einen letzten Song übrig.

Mit leichter Verspätung traten das Elektonik-Projekt mind.in.a.box den Beweis an, dass österreichische Musik nicht nur aus Albhörnern und Jodelgesang besteht und krachledern daher kommen muss. Überraschender Weise klangen sie allerdings weniger 8-Bit-lastig, als es auf ihrem letzten Album “R.E.T.R.O.” noch der Fall war. Ihre knapp 45-minütige Show war insgesamt eine gelungene musikalische Reise mit bildlich untermalten Sehnsüchten. Leider versagte die linke Lautsprechereinheit über weite Strecken ihren Dienst. Wahrscheinlich stand ein Tanzwütiger auf dem Schlauch…

Gegen 22:11 Uhr marschierten dann endlich mit (vermutlich) signifikanter Verspätung Front Line Assembly auf die all zu niedlich geratene Bühne. Und was dann folgte war sprichwörtlich infernalisch. Mit schnellen Beats, druckvollen Bässen, einem Trommelfeuer an Stakkatoriffs auf der Stromgitarre und einer bis zum Rande Körperverletzung aufgedrehten Lautstärke startete der Opener des aktuellen Albums “I.E.D.” die Show, die im Verlaufe musikalisch eher zu einem krächzenden Klangbrei verkam. Vor allem für uns Zuschauer auf der kleinen Empore des Ladens, die zwar einen hübschen Blick auf die Geschehnisse geboten bekamen, aber mit der Lautstärke mächtig zu kämpfen hatten. Das Trommelfell war kurz vor dem Exitus. Tja, wer sehen will muss leiden.

Von all dem ließen sich die Industrial-Jünger im Parterre nicht stören, und sorgen mit einem deftigen “Mosh-Pit” für zünftigen Körperkontakt. Da braucht man schonmal ein dickes Fell. Während aktuelle Hits, wie “Shifting through the Lens”, oder “Angriff” für Bewegung in der Masse sorgten, stampften auch viele ältere Songs gehörig brachial, hin und wieder unterstützt durch eine kleine Percussion-Einlage. Nach etwa 85 Minuten Bass-Geföne und Dauernebel, wobei der Drummer kurz zum Atmen – so schien es – aus den dichten Kunstwolken erschien, um kurz darauf schon wieder zu verschwinden, und zwei kurzen Zugabensets entließen uns die Jungs schließlich aus ihren Fängen. Das Ohrensausen daheim rauschte uns dann in den Schlaf. Uff, ich überlebte Front Line Assembly…

Ach ja, es passiert auch schließlich nicht häufig, dass man Jemery Inkel auf dem Klo antrifft, oder…? ;-)



Scheibe der Woche: Front Line Assembly – Improvised Electronic Device

Sie machten die Apokalypse salonfähig und pflegen bis heute ihre Version des Weltuntergangs. Die Rede ist von Front Line Assembly. Die martialischen Klangkünstler der düsteren, mechanischen Elektronik aus dem kanadischen Vancouver kommen just zur schönsten und hellsten Jahreszeit mit einem neuen Longplayer an den Start, und machen damit dem Sommer die Hölle mächtig heiß.

Die Maschinerie rollt langsam aber stetig und unaufhaltsam heran und irgendwann bricht das Inferno los: entsprechend druckvoll haut “Improvised Electronic Device”, kurz. I. E. D. rein. Der Song ist Opener und Albumnamensgeber in Personalunion und legt Messlatte, Tempo und Tanzbarkeit für den Rest der Platte schon recht hoch an. Das zweite Stück “Angriff” (mein heimlicher Favorit) nimmt sich Zeit, musikalisch auf Betriebstemperatur zu kommen. Dann aber beben sich die Beats satt, prall und richtig fett ins Zwerchfell. Die schrammelden Stromgitarrenriffs krallen sich ins Ohr und der psychedelische Sprechgesang wirkt verstörend Surreal. Martialisch intoniert Frontman Bill Leeb eine Aggro-Hymne an den Soldaten gar auf Deutsch: “Kampfbereit, in der Zeit. Kameraden dürfen wir nicht vergessen. Die Blumen liegen auf seinem Körper. Das Requiem für den Letzten.” Skinny Puppy lässt grüßen. Deutlich mehr tanzbare Geschwindigkeit legen “Hostage”, “Laws Of Deception” und die Vorabsingle “Shifting Through The Lens” an den Tag, tschulligung, an die Nacht.

Damit das I. E. D. nun nicht zu einem “Discofox auf Psychopharmaka” verkommt, macht “Pressure Wave” allen klar, auf was sie sich bei Front Line Assembly einlassen: brutale Soundkulissen schwimmen in einem aufdringlichen Gitarrenschranz und Drums, die wie Bombeneinschläge klingen, um die bpm’s – das Ende der Welt ist hier und erinnert irgenwie an Sonic Mayhem und seinen “Quake 2″-Soundtrack.

Der hybride, apokalyptische Industrialmix aus Elektronik- und Gitarrensounds findet aber seinen temporalen und musikalischen Höhepunkt in “Stupidity” mit Al Jourgensen aka der Frontman von Ministry. Der instrumentale und äußerst melodiöse Schließer “Downfall” beweist ordentlich Soundtrack-Charakter und kühlt in epischer Breite das erhitzte Gemüt selbst bei 30 Grad im Schatten rasch wieder ab. Der Puls normalisiert sich schließlich. Tja, man ist ein wenig froh den Tag des jüngsten Gerichts überlebt zu haben, aber man weiß nun wie sich der Weltuntergang nicht anfühlt, aber anhört…

Zecken für den Gehörgang: Angriff, Hostage, Shifting Through The Lens, Pressure Wave, Downfall

Tracklist:
1. – I. E. D.
2. – Angriff
3. – Hostage
4. – Release
5. – Shifting Through The Lens (Edit)
6. – Laws Of Deception
7. – Pressure Wave
8. – Afterlife
9. – Stupidity (Feat. Al Jourgensen)
10. – Downfall

Lauflänge: 6/10
Titelanzahl: 6/10
Ohrwurmfaktor: 6/10

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Scheibe der Woche: Eisbrecher – Eiszeit (Ltd. Edition)
29. Mai 2010, 16:48
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Die Eiszeit kommt manchmal schneller als man es erwartet. Autochecker, Oberposer und Eisbrecher-Frontman in Personalunion Alexx Wesselsky wirft uns eiskalt sein neuestes Werk vor die Füße: laut, schmutzig und düster. Je lauter die Dezibel im Raum anschwellen, umso mehr Kälte umgibt den Zuhörer. Also gilt es dagegen anzutanzen. Und das geht.

“Böse Mädchen” brettert unverholen los und verkündet, was die nächsten knapp 52 Minuten folgen wird: satte, wabernde Klangteppiche aus Stromgitarren im Einklang mit synthetischen Soundwelten, lauten Drums und immer wieder die finstere Stimme des Germanisten. Doch halt! Man leistet sich sogar ein anglikanisches Duett mit Lacrimas Profundere-Frontman Roberto Vitacca.

Die Texte sind ehrlich, wenig lebensbejahend und “Amok” will gar  schockieren. Der Eisbrecher-Frontman verspuckt dabei harte Silbensalven und läuft so zwangsläufig selbst verbal Amok. Auf Höchstform rechnet er mit dem “Supermodel”-Gehabe schonungslos ab und zeichntet ein düsteres Bild vom affektierten Hübschsein in der Öffentlichkeit. Schönheit ist Nichts! Nicht, das bleibt.

“Eiszeit” umgibt den Zuhörer unmittelbar, hält ihn aber immer gekonnt auf Distanz. Das Album fühlt sich kühl, abgeklärt, rauh an. Und immer mit diesem latenten “Fass-mich-nicht-an”-Gefühl. “Eiszeit” ist kein Album zum lieb haben. Es will auch nicht geliebt werden – es will gefeiert werden. So divaesque-unterkühlt ist es auch “Kein Wunder”, dass am Ende gar die Hölle einfrieren will. Die Eiszeit ist vorbei und ich lausche: Stille, doch im Kopf rauscht es noch länger nach. Ein Blick aus dem Fenster holt mich in wahre Welt zurück: die Sonne scheint. Gott sei dank!

Freunde der Neuen Deutschen Härte, die auch was mit Rammstein, Oomph!, Unheilig oder Megherz anfangen können, können hier ohne weiteres eiskalt zuschlagen.

Hörenwerte Perlen: Böse Mädchen, Gothkiller, Dein Weg, Supermodel, Der Hauch des Lebens

Tracklist:
1. – Böse Mädchen
2. – Eiszeit
3. – Bombe
4. – Gothkiller (Vs. Roberto Vitacca)
5. – Die Engel
6. – Segne Deinen Schmerz
7. – Amok
8. – Dein Weg
9. – Supermodel
10. – Der Hauch des Lebens
11. – Kein Wunder
12. – Amok (Renegade Of Noise Remix)
13. – Schwarze Witwe (TLP-Remix)

Lauflänge: 6/10
Titelanzahl: 9/10
Ohrwurmfaktor: 4/10

How to get: Poponaut



Scheibe der Woche: Edge of Dawn – Anything That Gets You Through The Night

Kaum erschallen die ersten weichen Synthiesounds im Raum und die ersten gesungenen Worte erklingen, werde ich doch unweigerlich an Iris erinnert. Na klar, singt doch hier der Iris-Sänger Reagan Jones im Duett mit Frank Spinath – seines Zeichens Frontman und Kopf bei Seabound – der bei Edge of Dawn aber ansonsten vokalistisch federführend mitwirkt. Auch sonst passt das musikalische Treiben auf der Scheibe gänzlich in diese musikalische Sparte – sphärisch, dicht, extrem melodisch und leicht angedüstert.

Im reifen Downtempo legt der Longplayer los. Krawall haben Edge of Dawn auch gar nicht nötig. Subtile, feine Instrumentierungen und ausgereifte Arrangierungen machen viel Spaß, und kein Song klingt, als hätte zu irgend einen Zeitpunkt Zeitdruck im Studio geherrscht. So gibt sich “Anything That Gets You Through The Night” selbstredend technisch auch keine Blöße. Sauber abgemischt mit satten Beats, vollen Bässen und ausgezeichneten Höhen läuft die Scheibe in knapp 51 Minuten im Player einmal durch – allerdings ziemlich kurz, um einen durch die Nacht zu bringen. Entweder man ist bereits im Reich der Träume oder die Platte läuft auf Repeat.

Der Longplayer ist sicher keiner, der einen direkt vereinnahmt und nicht mehr loslässt. Ebenso subtil wie die einzelnen Song arangiert sind, entfaltet die Scheibe dem geneigten Zuhörer ihr wahres Potenzial erst nach mehrmaligem anhören.

Edge of Dawn spielt musikalisch mit bestem Synthpop auf Augenhöhe mit Iris, De/Vision oder auch Escape With Romeo und natürlich Seabound. Wer auf diese Bands steht, wird Edge of Dawn’s neuen Longplayer sicher mögen. Kreativkopf Mario Schumacher und Psychlogieprofessor Spinath liefern also drei Jahre nach ihrem Erstlingswerk erneut eine erstklassige, vielschichtige Arbeit ab, die wesentlich mehr ist, als nur jemanden durch die Nacht zu bringen.

Meine persönlichen Highlights auf dem Album: Beyond The Gate, Siren’s Call, Save My Soul, Stage Fright, Valid World

Tracklist:
1. – Beyond The Gate (Feat. Reagan Jones)
2. – Denial
3. – All The Time
4. – Stage Fright
5. – Valid World
6. – Capture
7. – Lucid Dreams
8. – Dalling
9. – Siren’s Call
10. – In Your Sleep
11. – Save My Soul
12. – Capsized

Lauflänge: 6/10
Titelanzahl: 8/10
Ohrwurmfaktor: 5/10

How to get: Poponaut




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