Parkleuchten 2014
9. März 2015, 10:09
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Kurz bevor die Tage wieder länger werden, findet in der Essener Gruga das sog. Parkleuchten statt. Dabei ist nach EInbruch der Dunkelheit das Licht die Kunst. Möglichst bunt und effektvoll sind dazu wesentliche Teile des Parks in farbiges Licht getaucht. Künstler sorgen mit stimmungsvollen Illuminationen, Gewerken und Klänge für eine außergewähnliche Atmosphäre.

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TAG 8 – Die Heimat ruft schon wieder (SA, 30.08.2014)
3. November 2014, 16:41
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Es graut der Morgen und uns vor dem Abschied. Es kommt mir vor, wie im U2-Song „Last Day on Earth“, zumindest fühlt es sich so an. Heute geht es heimwärts. Tja, die Woche ist rum. Viel zu schnell verging mal wieder die Zeit. Wie immer. Nochmals gibt die Sonne alles, um uns den Weg in die Heimat so schwer wie möglich zu machen. Julie und Micha sind indes frühmorgens noch einmal plantschend im Meer.

Wir werden mithilfe eines Restefrühstücks satt. Muss ja weg. Nun gilt es Koffer zu packen, Sachen zusammenzusammeln, und die Unmengen an Luft aus unseren Schwimmreifen und -matratzen herauszudrücken. Allein letzteres dauert eine gefühlte Ewigkeit. Gut, dass unserer Flieger erst heute nachmittag geht. Wenn er überhaupt geht…

Die letzten Impressionen fange ich mit meiner Pocketkamera ein, da meine große Kamera gestern Abend nach insgesamt knapp 40.000 Aufnahmen in ihrem Leben ihr allerletztes Bild auslöste. Merkwürdig erschien mir aber, dass nach exakt geschossenen 1.300 (!) Urlaubsbildern in dieser vergangenen Woche Urlaub Schluss, Ende, Aus war. Glücklicherweise ereilte mich dies genau am letzten Urlaubsabend. Insofern war es noch Glück im Unglück. Gar nicht auszuhalten, hätte ich den Sonnenuntergang von Tag 5 nicht entsprechend fotografisch würdigen können.

Wie dem auch sei. Der Morgen schreitet eeeeiiiiiiiiinnnnn wwweeeeeeennnnniiiiiigggg iiiiiin Zeeeeiiiiitluuuupöööö voran. Sanja versorgt uns nochmals mit einer riesigen Schüssel Ölgebäck, sog. Frituli, also istrische Krapfen, dekoriert mit einer feinen Haube aus Puderzucker. Das macht uns nach dem kaum aufgegessenen Frühstück nach satt nur noch pappsatter. Joa, die haben einen hohen Brennwert. Da haben wir lange was von. Gut so, denn das pappische Sandwich im Flieger ist ja höchstens etwas für einen hohlen Zahn. Wohl dem, der gesättigt an Bord klettert. Wie uns.

Es naht die Zeit des Abschieds. Unser rechtzeitig bestelltes Taxi ist noch rechtzeitiger da. Und zwar mit deutscher Präzision. Gongschlag halb eins steht der Kombi vor der Tür. Die erste Frage des Chauffeurs: „Haben wir Zeit, oder geht der Flieger jetzt?“. Als wir ihm erklären, dass unser Abflug entspannte drei Stunden von hier an in der Zukunft stattfindet, verläuft die Fahrt zum Flughafen folglich auch ganz galama. Und wie sich im weiteren Verlauf herausstellt, wird die Fahrt sogar noch amüsant und lehrreich. Der Taxifahrer entwickelt sich zu einer wahren Quatschtante. Endlich einer, der Englisch nicht nur fließend hören, sondern auch sprechen kann. Auf eine angenehm illustre Art und Weise fragt er bei uns zunächst den typischen Katalog aus dem Buch „Taxifahrer-Konversation Band 1“ ab: Wie lange wir in Kroatien waren? Ob es uns denn gefallen hätte? Ob wir wiederkommen würden? Im Verlaufe des Gesprächs, entwickelt sich unser Chauffeur zu einem richtigen Erklär-Bär, er gibt uns Tipps, wo man in der Gegend sonst noch gut Urlaub machen könnte, was in der Gegend noch alles gesehen haben sollte, wie breit die Wasserfläche zwischen der kroatischen und der italienischen Küste ist, und – bei der Fahrt an letzten zerbombten Relikten des Balkankrieges – was hier während jener Zeit passierte. Die informativste Taxifahrt meines Lebens.

Am Durchleuchter wird einer der Zöllner plötzlich hellhörig. Er schiebt meinen Rucksack (das Handgepäck) vor und zurück. Hmm, darin Handy, Fotoapparat, Tablet, Papiere, und sowat. Mit mürrischer Stimme fordert er mich auf das Stativ zu entnehmen: „Pull out! Show me!“ kasernt er maulig. Erst als ich ihm die Funktionsweise eines Stativs klarmachte und ihm sein Dasein erläutere, war auch dann wieder alles in Ordnung. Was immer er auf seinem Monitor erblickte, wird mir auf ewig ein Geheimnis bleiben. Puh, kurze Aufregung. Denn so ein Stativ kann auch, für… was auch immer gehalten werden. Wenn nicht sogar.

Beim Blick auf das Vorfeld fällt auf, dass weit und breit keine Germanwings-Maschine parkt. Nur eine polnische Turboprop und ein hochglänzend weißer, vierstrahliger Jet. Da man allerdings die Starts und Landungen am internationalen Flughafen von Zadar an einer Hand abzählen kann, dürfte der schneeweiße Blitz wohl unser Heimholer sein. Und da kommt mir schließlich auch wieder der gestrige Germanwings-Streik in den Sinn, und die mahnenden Worte, dass wir den Rückflug ob des Streiks nicht lieber mal abwarten wollen? Es gibt Entwarnung, dass unser Flug zwar stattfindet, wenn auch etwas verspätet, und nicht mit der Maschine, die eigentlich dafür vorgesehen war. Germanwings ließ uns nicht am Airport stranden, und charterte eigens dazu bei der WDL ein geeignetes Transportmittel. Der weiße Dingelchen da draußen. Ich dachte zunächst, der Herr Wüllenkemper holt uns nun persönlich mit dem Luftschiff ab. Dann aber fiel mir ein, dass es nicht klappen konnte, da ja Ela den Zeppelin am Pfingstmontag kaputtgeblasen hatte.

Nachdem wir in der engen Flugröhre Platz genommen haben, drängt sich mir beim Blick auf die Bord-Crew der Verdacht auf, als hätte man sie kurz zuvor unvermittelt aus der Freizeit gerissen. Und der Chef-Steward, ein Mitfünfziger, will so gar nicht in mein Bild einer Stratosphären-Servicekraft passen. Jung? Dynamisch? Passt alles nicht. Eher gelassen und routiniert würde ich sein Arbeitsschema bezeichnen. Man merkt dem Flieger an, dass er schon mal bessere Zeiten gesehen haben muss. Böse Zungen würden behaupten, die Servicekräfte auch. Aber man soll ja nicht vorurteilen. Und so verläuft der Flug astrein angenehm, ruhig und ohne irgendwelche Verkommnisse, die es zu schildern gäbe. So soll es ja auch sein, während sich unter uns zunächst die kroatischen Inseln aus dem Bild verabschieden und dem vielen Wasser auf der Adria Platz machen. Irgendwann schiebt sich Venedig ins Bordfenster, und als ich den Bodensee ausmachen kann, wird mir klar, dass wir die Alpen bereits überflogen haben müssen. Die haben sich schön unter einer dicken Wolkendecke versteckt.

Das erste, was mir beim Blick durch die dicke Wolkendecke beim Landeanflug auf Düsseldorf ins Auge springt, ist die Zeche und Kokerei Zollverein. Ach ja, hallo Heimat. Ich bemerke, die Farbrezeptoren im Auge haben auf Mitteleuropa umgeschaltet und Farbton und Sättigung reduziert. Deshalb wundere ich mich auch nicht, warum Blau durch Grau ersetzt wurde. So setzen wir schlussendlich in Lohausen auf, und das dermaßen sanft, dass wir beim Verlassen des Fliegers den Steward bitten, dem Kapitän für das Deluxe-Landemanöver unser Kompliment zu überreichen. Kaum an der Luft, atme ich tief die Luft des deutschen Spätsommers an: klamm, kühl und kerosingeschwängert. In nur zwei Stunden haben wir erfolgreich die Tagestemperatur beinahe halbiert. Gut gemacht! Hitze wird auch überwertet. Und schönes Wetter auch. Und Licht. Und Sonne… Wat soll’s. Dafür können wir aber mit Fug und Recht behaupten: Schön war’s! Auch das Wetter! Ätsch!



TAG 7 – Geht’s in die Verlängerung? (FR, 29.08.2014)

„Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?“ Um mal in Rennsport-Metaphern zu reden, wird dieser Morgen mit der weißen Flagge angewunken. „Wat?“ Die letzte Runde steht an. „Häh?“ Na, die Zielgerade tritt so langsam in Sichtweite. „Check‘ ich nicht…!“ Mensch, der Urlaub ist bald rum. Ah! Oh, schade!

Oder doch nicht schade? Wir wollen aber noch nicht an das zu erwartende unselige Wetter daheim denken, und verdingen uns die Zeit in der sonnigen Wärme mit entspannungsreichem Nichtstun. Dabei stoßen wir beim Surfen im Netz auf eine Meldung, dass Germanwings-Mitarbeiter heute an einigen deutschen Flughäfen Inlandsflüge bestreiken. Heißt das, dass sich die Auswirkung bis zu unserem morgigen Heimflug bemerkbar machen könnten? Heißt das gar, dass wir morgen vielleicht noch gar nicht nach Hause kommen? Warten wir’s mal ab. Zumal „nur“ heute gestreikt werden soll und Düsseldorf davon eh nicht betroffen sei.

Ich mache mich ein letztes Mal (am Wasser entlang) auf den Weg zum Bäcker und greife noch schnell meine Kamera, um auf dem Weg dorthin noch einige Bilder vom Ort zu machen. Die Hitze dröhnt zu solch früher Stunde schon wieder dermaßen heiß vom Himmel, dass es eine wahre Wonne ist. Lieber Herr Sommer (nicht der aus der BRAVO), was ist daran so schwierig, das Ganze zu dieser Zeit auch bei uns in Deutschland hinzubekommen? Haste doch früher auch schon mal gekonnt. Mal wieder Sommer von Juni bis September. Wieso muss ich jetzt an Rudi Carrell denken?

Um mich herum ist alles noch so beschaulich. Zu dieser morgentlichen Uhrzeit haben selbst die Möwen noch keine großen Ambitionen in ihrer Funktion als liebreizende Flugobjekte (was schreibe ich hier eigentlich?) in Erscheinung zu treten und treiben daher eher lustlos auf dem seichten Wellenspiel am Hafen auf und ab. Die scheinen auch zu denken: „Jeden Tag die selbe Scheiße! Heut ma nicht“. Bevor mir die depressiven Möwen auf leerem Magen die Stimmung verhageln, wird’s Zeit fürs Frühstück. Während wir so vor uns hin speisen, legt sich am Wegesrand ein älteres Ehepaar in Sichtweite ans Wasser. Er, der mit seinem Schnubbi eher an eine tiefbraune Zeit von vor etwa 70 oder 80 Jahren erinnert, platziert raffiniert einen kleinen Brüllwürfel und beplärrt von nun an unablässich die Umwelt mit russischem Schall. Und zwar so laut, dass unsere persönliche musikalische Frühstücksuntermalung – die in direkter Reichweite zu uns steht – unhörbar wird. Er und seine Frau liegen breit und ignorant in der Sonne. „Scheiß auf die Nachbarn“, höre ich sie bis zu uns auf die Terrasse denken. Und so kreischt und kreischt und kreischt das kleine Radio sein krächzendes Gemurmel in die Umgebung. Luftverschutzung wird hörbar. Wir verstehen nix: uns, die anderen, russisch und das übersteuerte Gekrähe aus dem Radio sowieso nicht. Irgendwann platzt uns der Kragen, und Micha stiefelt hochentschlossen schnurstracks auf den Störenfried zu. Kurzer Wortwechsel. Dann ist das Radio leise. Nach kurzer Zeit ist es aus, und die beiden sind verschwunden. Gozeidank! Ah, welch himmlische Ruhe. Nur noch das Rauschen der Wellen, und das Quieken der plantschenden Kinder.

Erneut überrascht uns Sanja mit einem Berg frischgeplückter Feigen. Überreif, süß, lecker. Meine Güte, wieviel Früchte trägt denn so ein Baum, und wie groß ist der? Wir schieben den Gedanken des Germanwings-Streiks indes mal wieder außer Reichweite. Ich komme vor lauter Hochleistungsfaulenzerei mit dem Urlaubstagebuch nicht nach. Ich merke, ich muss damit nach dem Urlaub daheim damit in die Verlängerung. Ist auch keine schlechte Vorstellung, zuhause am heimischen Rechner, den Urlaub vor dem geistigen Auge noch einmal Revue passieren zu lassen, während draußen durch den aufpeitschenden Wind kalte Regentropfen an die Scheibe klatschen. Genug fantasiert. Zurück ins Hier und Jetzt. Moment mal… Ist das überhaupt möglich, bei einer Erzählung, die schon längst längst in der Vergangenheit liegt? Schluss jetzt, Ende mit der Zeitreiserei.

Des Abends fällt die Wahl aus bekannter Ermangelung an alternativen Restaurantangeboten erneut und zum letzten Mal auf das Marco Polo. Nun bestellen sich Julie und Micha eine üppig belegte Fischplatte samt gegrillter Dorade, einigen frittierten Kopffüßlern und Muscheln in einem hoch schmackhaften Knoblauchsud. Nachdem man sich die Finger leckt. Ich greife an diesem letzten Tag ein letztes Mal mit vollen Händen in die kroatische Küche und ordere landestypische Cevape. Als Durstlöscher dient ein großer Humpen Frischgezapftes aus der bekanntenBrauerei aus Karlovac. Na, dann „Živjeli!“!

Als die Sonne erneut hinter den Häusern versinkt, verabschieden wir uns pappsatt von den Gastgebern, wünschen uns allen eine gute Zeit und laufen ein letztes Mal am Meer entlang (!) der Heimat entgegen. Und so kommt es einmal mehr, wie es kommen musste, dass auch der letzte Abend an unserer „Stamm-Theke“ ausklingt. Natürlich. So finden sich nach und nach sämtliche Hausbewohner ein, einschließlich unserer Überunswohner mit dem menschlichen Wecker.

Als kleine Wiedergutmachung gibt’s von ihnen immerhin ein große Flasche Rotwein. Wir wollen mal nicht so sein. Ja, ja, am Ende des Urlaubs wird man in seinem Urteil milde…



A Night with Rotersand + SONO

Es geht Schlag auf Schlag. Schon wieder stand ein Konzertabend ins Haus. Ich stelle fest, der Oberhausener Kulttempel entwickelt sich so langsam zu meinem neuen Musikzimmer. Diesmal feierten dort die Ruhrpott-Elektriker von Rotersand zusammen mit den hanseatische Tanzkapelle SONO an diesem Abend den Auftakt ihrer Doppel-Headliner-Show.

Entspannt läutet sich der Abend ein, denn der Einlass und die Show verschieden sich , entgegen erster Informationen, eine Stunde nach hinten. Als ich gegen 19 Uhr mein Vehikel vorm Kulttempel parke, sind SONO gerade noch beim Soundcheck. Noch locker Zeit sich in Ruhe für den Abend zu stärken.

Schön, die Jungs von SONO mal wieder live zu hören und zu sehen. Das letzte Mal ist ja schon wieder eine gehörige Weile her. Pünktlich um 21 Uhr starten sie dann auch in die Nacht. Allerdings streikt die Technik, und Frontmann Lennart singt sich die Seele aus dem Leib. Leider bleibt er für uns unhörbar. Erst ein neues Mikro schafft Abhilfe. Passend zum Start des Songs „Always Something Missing“. Tja, irgendwas ist immer. Passt ja. Der Rest geht routiniert und soundtechnisch nun allererster Kajüte über die kleine Bühne. Wir dürfen uns dabei an zahlreichen Klassikern, wie „2000 Guns“, „Blame“ oder auch „Keep Control“ erfreuen, aber auch die neueren Songs „What You Do“, „Supersonic“ oder „Better“ wollen ordentlich am Tanzbein zerren. Doch wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät? Nach 65 Minuten ist es dann mit der elektronischen Tanzbarkeit von Headliner 1 vorbei.  Mit einem dicken Applaus entbinden wir die drei Hamburger von ihren Tätigkeiten. Danke, Jungs.

Nahezu nahtlos knüpft Rotersand an. Nachdem Krischan die ersten Klänge von „Merging Oceans“ auf uns loslässt, betritt auch Frontmann Rascal die Bühne. Bei ihm habe ich immer das Gefühl, dass er erst kurz vor der Show mit dem Fallschirm gelandet ist. Mit zwei Flutlichtern in den Händen strahlt auch er los. Deutlich druckvoller, als noch bei SONO geht Rotersand zu Werke. „Dare To Live“, „Waiting To Be Born“ und das neue „Electric Elephant“ sind amtliche Taktgeber für die tanzende Menge im Saal. Erst „One Level Down“ erdet uns sprichwörtlich wieder, ehe „First Time“ dramaturgisch für den anstehenden zweiten Teil der Rotersand-Vorstellung wieder Fahrt aufnimmt. Dann geht es Schlag auf Schlag. Bei „War On Error“ entert Rascal das Publikum und bringt den kleinen Club allmählich zum Kochen. Spätestens aber beim stampfenden „Exterminate, Annihilate, Destroy“ gibt’s kein Halten mehr. So kann auch der Closer „Undone“ das Erlebte nicht ungeschehen machen. Gozeidank! Denn dit Janze hat echt Spaß jemacht.

Setlist SONO:

01. – Intro/Flames Get Higher
02. – A New Cage
03. – 2000 Guns
04. – All Those City Lights
05. – Always Something Missing
06. – The Brightest Star
07. – Keep Control
08. – Supersonic
09. – Open The Door
10. – Naked
11. – What You Do
12. – Better
13. – Blame

Setlist Rotersand:

01. – Merging Oceans
02. – Lost
03. – Dare To Live
04. – Waiting To Be Born
05. – Electric Elephant
06. – One Level Down
07. – First Time
08. – Almost Violent
09. – Bastards Screaming
10. – Electronic World Transmission
11. – War On Error
12. – Strange Kind Of Love
13. – I Cry
14. – Exterminate, Annihilate, Destroy
15. – Undone



Tag 6 – Ich mach dann mal blau (DO, 28.08.2014)
6. Oktober 2014, 11:36
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Es hat schon was von Bill Murray in „Groundhog Day“. Nämlich: Und täglich grüßt das Terrorkind. Um halb acht ist für uns alle die Nacht rum. Ausnahmslos. Das stampfende Ungeheuer von Etage 1 trampelt und schreit, als gäb’s keinen Morgen. Glücklicherweise gibt es ihn. Und so können wir entnervt Bettflucht begehen. Irgendwann nimmt man es zähneknirschend hin, wenn auch nach zuvor netter Ansprache an die erziehungsberechtigten Nachbarn keine hörbare Verbesserung einsetzt. Selbst unsere Vermieterin, die den hinteren Teil des Hauses bewohnt, offenbart uns, dass sie so langsam den Papp auf hat. Wir freuen uns zugegebenermaßen diebisch, dass unsere Nachmieter wenigstens auch etwas von dem Getrampel haben. Doch zu früh gediebt. Die Nachbarn reisen ebenso Samstag ab… Mist!

Wir drei sind fest entschlossen den heutigen Tag noch bedeutend ereignisloser als den gestrigen zu gestalten. So schlagen wir uns zunächst den Bauch mit einer umfangreichen Hühner-Spiegelei und heiß-zischelndem Frühstücks-Bacon, frischem Brot, entsprechenden Sättigungsauflagen und unserem deutsch-kroatischen Kaffeegesöff voll. So etwas kann sich hinziehen, und so sind auch erst gegen Mittag satt im Wasser. Ich lernte ja aus meinem Je-kürzer-das-Ssstt-desto-schneller-das-Bums!-Mittelmeereinstieg und kraxle über den grobstolligen, teils spitzkantigen Schotter ins kühlende Nass. Diesmal ist um uns herum bedeutend mehr los. Kein Wunder, denn mittlerweile hat auch die Sonne wieder Lust in Strömen zu scheinen. „Zero Clouds“ heißt hierbei das Mittel der Wahl. Und so gibt es heute drei Farben: blau, blau und blau. Die Farbrezeptoren schalten bei all dem Überblau schon mal ab, und wechseln aufs Notlaufprogramm. Hin und wieder gibt’s einen Sehtest beim Blick auf den Füllstand der Bierflasche, ob das Auge noch zwischen den anderen Farbtönen unterscheiden kann. Puh, ja, funktioniert noch.

Wir plantschen uns kernentspannt die Seele aus dem Leib. Umschiffen die Mitbadenden und treiben auf den Wellen hin und her und auf und ab und vor und zurück und hängen irgendwelchen Gedanken hinterher. Ja, so geht Urlaub. Jetzt ist auch der Kopf in Kroatien angekommen. Auch wenn die Zeit stillzustehen scheint, wandert der Uhrzeiger klammheimlich unaufhörlich weiter. Und so ist es ruckizucki nachmittag. Meine Güte! Ich wabere aus dem Wasser, zumindest fühlt es sich auch noch eine ganz gehörige Weile später so an, als schwanke das Festland um mich herum – strange! Ein Glück, dass ich nicht so schnell zu ner ausgewachsenen Seekrankheit neige…

Am Abend wollen wir unsere leeren Mägen erneut im Marco Polo befüllen lassen. Und so führt der Weg endlich mal nicht immer nur Wasser entlang. Ich schreibe diese Zeile, weil sich Julie darüber royal amüsierte, da es wohl so klang, als wäre es mittlerweile eine Strafe über die Promenade zu schlendern. Dabei wollte ich doch nur einmal abseits der uns mittlerweile wohlgekannten Wege den Ort erlaufen.

Sei dem auch wie. Auf dem Weg ins Restaurant fällt der  Blick auf ein Teilstück Asphalt, welcher zum einem – kaum drei Meter breit – über eine sauber gezogene mittlere Fahrbahnmarkierung und zum anderen über einen wesentlichen Bereich ausgebesserten Straßenbelags verfügt. Dieser wurde aber nicht, wie man es von zuhause aus kennt, mithilfe einer chirurgisch geometrischen Form aus dem Fahrbahnbelag geschnitten, sondern lustig im zickigen Zack herausgetrennt, bzw. anschließend wieder verfüllt. Man darf sich beim Anblick dessen ruhig fragen, was sich der geneigte Straßenbauer dabei gedacht hat.

Wir bestellen erneut Fleisch und Fisch. Muscheln für die Dame und Fleisch für die Herren. Ich gönne mir ein Filetsteak mit Championrahm, habe aber gleichwohl noch Julies Worte im Ohr: „Kroaten können keine Saucen“. Das mag ja für andere Saucen stimmen, jedoch nicht für meine. Eine gar köstliche Angelegenheit mit frischen Pilzen und von ausgezeichneter Sämigkeit. Und das war erst die Sauce. Ich will mich nun nicht in Schwelgereien verlieren, deshalb nun zu etwas ganz anderem.

Haben Micha und ich doch gestern, während unseres Geplansches, mit den Steinen vom Grund versucht ein paar kunstvolle Türmchen zu bauen. Sonderliches Geschick legte vor allem ich dabei allerdings nicht an den Tag. Jedoch derjenige, der, als wir nach dem üppigen Abendmahl erneut am Wasser entlang spazieren wollen, an die 50 Steintürme aufstapelte. Teilweise sind dabei sehr abgefahrene Skulpturen herumgekommen. Wir wundern uns allerdings, wie der Erbauer ausgerechnet jetzt auf die Idee kam. Ist er gestern an uns vorbeigekommen und hat sich die Idee abgeguckt, oder alles bloß purer Zufall? Wilde Verschwörungstheorien beginnen sich zu ranken.

Nach dem gestrigen Über-Sonnenuntergang ist uns der heutige beinahe schon egal. Den heutigen verpassen wir somit prompt und bekommen lediglich sein letztes Abendrot mit. Wir kommen überein, dass dieser wohl sehr schön anzusehen gewesen sein muss, aber aufgrund der wenigen Wolken wohl nicht überwältigend ausfiel. Ja, man wird mittlerweile wählerisch.

Abends verdingen wir uns die Zeit mit Versuchen einiger Langzeitbelichtungsreihen von uns selbst, kehren aber alsbald zu unserem Stammplatz an der „Theke“ ein, wo sich mittlerweile das halbe Haus um diese Zeit zu einem Schwätzchen trifft.



Neuroticfish live in Krefeld

Es war wieder soweit. Der Fish hatte zur Abrissparty geladen und alle sind gekommen. Diesmal in die Krefelder Kulturfabrik (KuFa). Als Support standen heute X-Divide auf dem Vorprogramm. Das Kölner Synthpop-Duo hatte aber einen etwas zähen Beginn. Sie machten ihren Job gut, aber irgendwie fehlen ihnen ein paar tanzflächentaugliche Kracher im Repertoire. So wollte der Funke nicht recht überspringen. Und wer Sascha kennt, wie er die Läden abzureißen versteht, der hat’s im Vorfeld schon etwas schwerer…

Jedenfalls. Eine solide Vorstellung von X-Divide, die nach pünktlichem Beginn 30 Minuten später auch schon wieder vorbei war. Um 21 Uhr betraten dann Sascha und Henning die Bühne und legten mit „Silence“ als Opener, „Former Me“ und „The Bomb“ („Was fehlt zum Abriss? Natürlich eine Bombe“, O-Ton Sascha) gleich den nötigen Schmiss in die Veranstaltung. Apropos Henning, ich frage mich ja, ob der Mann keine Rückenschmerzen bekommt, wenn er die ganze Zeit über wippender Weise in vorgebeugter Haltung verbringt. Man(n) wird ja nicht jünger. Genug philosophiert. So sei’s drum. Ehe mit „Suffocating Right“ zwischendrin mal etwas Ruhe einkehrte, waren bereits locker die ersten 20 Minuten vergangen. Und so schwitzte die Meute, die diesmal im kleinen Saal der KuFa feiern musste, zu wohlplatzierten klasssichen Highlights, wie „WakeMeUp!“ „MFAPL“ und „Velocity“, auch „I Don’t Need The City“, „Somebody“, „Solid You“ oder „Behaviour“passten ganz hervorragend zum Thema. Ja, der Fish versteht es, einen Saal zu kochen zu bringen. Letztlich macht  „A Greater Good“ nach guten 70 Minuten die Show komplett. Uff, das war ein amtlicher KuFa-Abriss. Anschließend betritt Krischan Wesenberg von Rotersand in seiner Funktion als DJ ein wenig Wiederaufbauarbeit und heizte dem tanzwütigen Publikum noch bis in die frühen Morgenstunden ein.

Setlist Neuroticfish:

1. – Silence please (Intro)
2. – Silence
3. – Former Me
4. – Bomb
5. – Behaviour
6. – WakeMeUp!
7. – Suffocating Right
8. – MFAPL
9. – Illusion Of Home
10. – Skin
11. – Somebody
12. – Need

13. – I Don’t Need The City
14. – Solid You
15. – A Greater Good



Tag 5 – Save the worst for last (MI, 27.08.2014)

Nach dem – sind wir mal ehrlich – aktivsten Tag des Urlaubs, ist dank des Trampelstiers über uns recht früh die neue Nacht vorüber. Obwohl noch ein wenig eher vorüber kann sie sein, lässt man sich von dem örtlichen, ambitionierten Kirchengebell wachschellen. Um Punkt sechs Uhr glööckelt es dermaßen durch den gesamten Ort, dass meinen könne, man hätte die Welt verschlafen. Hey, ich bin hier im Urlaub. Es reicht, wenn ich mich nächste Woche daheim wieder um 6 Uhr wecken lassen muss, um zur Arbeit zu kommen. Aber hier? Och nö, Leute. So halbsanft geweckt, lausche ich den Geräuschen, die durch die geöffnete Terrassentür dringen. Es rauscht leise. Ah, die Brandung schwappt ans Ufer. Schön! Hmm? Merkwürdig, das ungleichmäßige Rauschen weicht allmählich einem durchgängigen Geräuschpegel. Hochwasser, Sturmflut? Tsunamie? Glücklicherweise nicht. Es regnet. Nein, es prasselt. Von oben. Oh je. Das kann ja was geben heute…

Jedenfalls. Der Tag startet mit dem armen Ritter. Nein, kein vergreister Säbelrassler zu hohem Ross, der uns mit verrosteter Rüstung den Krieg erklärt, sondern hier wird ganz friedlich einen Tag altes Brot in der Pfanne in reichlich Eigelb gewälzt. Die daraus entstandene Symbiose ergibt eine sättigende Grundsubstanz, die gerne mit würstlichen Kostbarkeiten dekoriert, bzw. vervollkommnet wird. Da sich durch den ersten Gang bei uns aber noch keine nachhaltige Sättigung einstellen will, muss eine weitere Runde Palatschinken alles herausreißen. So’n Pech aber auch (für den Palatschinken).

Da der Tag durch den hergottsfrühen Schauer insgesamt aber ziemlich wolkenverhangen beginnt, ist die Küstenlinie menschenleer. Glück für uns. Der Regen ist weg, und das Wasser sieht kälter aus, als es tatsächlich ist. Dazu später mehr. Auch ich bin fest entschlossen endlich eine Nixe zu werden. So wage ich mich an einer solide bebauten Schräge zaghaft in kühle Nass. Erstmal die Beine benetzen, und dann sehen wir weiter. So der Plan. Ja, ja, so der Plan. Noch bevor ich mir Gedanken machen kann, wie es weiter geht, übernimmt die Schwerkraft für mich den Job. Hals über Kopf rutsche ich auf der glitschigen Schräge aus, die, ich muss dazu sagen, nicht so glibberig aussieht, als sie tatsächlich ist, und lande unvermittelt in den salzigen Fluten. Ach, drauf geschissen, erst einmal die Füße benetzen. Das ist was für Pussies. Und so merke ich, dass das Wasser angenehm warm ist. Also, hinein Onkel Otto. Wir verdingen uns entspannende zwei Stunden in der küstennahen Adria, ehe wir uns die Salzkruste abduschen, um den Rest des nachmittags an Land zu verbringen.

Bei unserer Ankunft fiel uns, unweit unserer Unterkunft, ein heruntergekommenes Gebäude auf, das Micha (selbst fotoaffin) und ich heute mal näher in Augenschein nehmen wollen. Nebendran ist die örtliche Post positioniert, in dessen Briefkasten wir praktischerweise die Postkarten für die Daheimgebliebenen einschmeißen können. Natürlich im guten Glauben, dass die Postkarten jemals ihr Ziel erreichen. Wir können die Beschriftung auf dem Blechkasten, der auch schon mal bessere Zeiten erlebt haben muss, aber nicht entziffern, und so hoffen wir, dass darauf nicht in kroatisch zu lesen ist: „Wird niemals geleert!“

Das sog. abandoned Building ist recht spooky. Ach Mensch, Anglizismen sind Bullshit! Also, zurück zur Muttersprache. Sämtliche Elektroleitungen sind weitestgehend herausgeruft. Komisch, nicht nur bei uns sind Metall und Kupfer heiß gegehrt. Nur vereinzelt lassen ein paar Lampen und Schatten an Wänden und Böden darauf schließen, was sich an deren Stellen man befunden haben muss. Wir inspizieren das Erdgeschoss, und kommen zu dem Entschluss, dass es sich mal um ein Hotel gehandelt haben muss. Darauf lassen Speisesaal und Terrasse mit angrenzender Küche schließen. Ein geräumiges Entrée war wohl mal die Lobby. Gute zwei Stunden verbringen Micha und ich dort und am nahen Hafen mit unseren Kameras.

Doch nun meldet ich der Magen energisch aus der Arbeitslosigkeit und will endlich wieder etwas zu tun haben – also Essen gehen. Wohin? Bei der geringen Auswahl geht’s also erneut ins Konoba Liburna (das mit den Schwalben) von Tag 1. Dazu müssen wir wohl oder übel am Wasser. Wieder am Wasser entlang. Jeden Tag das gleiche. Der Kellner dort erkennt uns wieder und reicht uns eine Zwei-Personen-Grillfleischplatte für Micha und mich. Julie bleibt ihrer Linie treu und fischt sich erneut Meeresgetier. Die Portion Fritten ist auf der Dual-Schlachtplatte ist aber eher ein Witz, und noch nicht einmal den Namen „Portion“. Die paar Kartoffelhalme sind eher andersfarbiges Beiwerk. So ordern wir eine weitere Fuhre frisch aus der Küche hinterher. Der große Kelch Karlovačko schmeckt dazu heute aber wieder ausgezeichnet. Der gut gekühlte Inhalt leuchtet im rotgoldenen Glanz der tiefstehenden Sonne aber auch unwiederstehlich. Prost!

Der nahende Sonnenuntergang bringt sich in Stellung, und wird dank der dramatisch davor drapierten Wolkenformationen zu einem 3D-Spektakel in 16:9 und Full-HD. Es wirkt, als könne man die Wolken vom Himmel pflücken. Dazu ein Spektakel aus Licht und Farbe, bei dem ich mich plötzlich irgendwie wie an die Truman Show erinnert fühle. Wo war doch gleich der Ausgang?

Der oskarverdächtige Sundowner ist doch noch nicht das spannungsgeladene Highlight des Abends. Das soll noch kommen. Noch im Fotomodus verweilend machen wir ein paar Nachtaufnahmen, von der Küste, dem Sternenhimmel und „unserem“ Haus. An unserer „Theke“ (ein etwa kniehohes Mäuerchen mit aus Naturstein gemauerten Sockeln) kommen wir erneut mit Sania, unserer Vermieterin und ihrer Mutter ins Quatschen. Vier nett dreinschauende Schnecken (also, Tiere jetzt) aber fallen über die locker nebenherstehende Mülltonne, und wir mit der Kamera über die Schnecken her. Micha allerdings legt sich Pulitzer-Preis-verdächtig auf der Mauer auf die Laufer und macht den Akrobat Schön. Allerdings zu schön. Er rutscht ab und kann so gerade eben, mithilfe des Argavepflänzchens am Fuße des Mäuerchens, das Gleichgewicht wiedererlangen. Blöd nur, dass die Pflanze nicht mitmacht, und ihm aus selbstverteidigender Manier, einen ihrer spitzen Dorne in den Unterschenkel rammt. Nachdem Schwester Julie versucht den vermeintlichen Dorn aus der Wunde zu fummeln, ziehen wir den Telefonjoker des ortsansässigen Arztes zur Meinungsbildung heran. Er beruhigt, dabei sei keine Not-OP nötig. Unterdessen nimmt das „CSI Petrčane“, bestehend aus Sania und mir, umgehend die Nachforschung am Corpus Delicti auf. Wir profilern was das Zeug hält und stellen übereinkommend fest, dass sich wohl doch kein Dorn in Michas Unterschenkel befinden soll – die Pflanze, die sie nicht mehr alle hat, hat sie scheinbar doch noch alle. Puh! Ersmanschnapps. Darauf schmeckt sogar das rotzige Feuerwasser aus dem Duty Free. Irgendwie.

Nachtrag 26.09.14: Bekomme ich doch letzte Tage ein paar Handyfotos von Michael, auf dem ganz klar eine sehr spitzer Dorn zu sehen, den er sich soeben aus der Urlaubsverletzung zog. Haben Sania und ich wohl danebenprofilert… Zja, deswegen sind wir wohl auch keine Kriminalbeamten geworden.